Mittwoch, 1. Oktober 2008

ich habe IHN gesehen....

17.10.2004
@an alle sportfans:
die portugiesische nationalmannschaft bereitet sich dieser tage auf ein qualifikationsspiel für die WM 2006 vor. am samstag spielen die jungs gegen liechtenstein in vaduz.
man kann die gelegenheit nutzen und die buben täglich trainieren sehen. im estadio nacional. heute ging das ganze gegen 17 uhr los - und tomane und chica waren da.
wir haben IHN gesehen. wir haben IHN bewundern können. und wir haben fotodokumente, die wir euch nicht vorenthalten wollen.
1) einer der weiblichen nachwuchsfans - motto: früh übt sich....
2) auch das expertenpublikum fängt schon früh an....

3) ein wenig unscharf - aber das lag natürlich an meiner aufregung.....
ER

4) man arbeitet - wie ihr seht - sehr ernsthaft. wobei der herr ganz links für mich als oma interessanter war als die beiden buben (und nuno gomes hab ich extra "abgeschossen"!)

und nun der absolute höhepunkt: nach dem training trafen wir mestre luis felipe scolari auf dem weg zum auto auf dem parkplatz

es waren vielleicht im stadion 250-300 leute, und gegen ende des training nochmal 'n schwung teenies. tvi, sport tv und rtp1 waren auch da, haben es aber leider verabsäumt, chica oder tomane zu zeigen sondern sich auf die trainierenden spieler konzentriert

ich finde es allerdings toll, dass man "einfach so" die nationalmannschaft beim trainieren beobachten kann. und wie gesagt: die jungs sehr freundlich, am ende des trainings immer wieder den mädels gewunken und ganz am schluss auch ordentlich autogramme gegeben. kaum polizei und ordnungshüter zu sehen - nur vier, fünf männekes, die strikt drauf geachtet haben, dass niemand auch nur ansatzweise aufs spielfeld geht bzw. selbst die tartanbahn betritt. aber das ist ok - schließlich sollten die ja arbeiten. erst am schluss, als scolari sozusagen "grünes licht" gab, durfte man an den rand des spielfelds. da haben oma chica und tomane aber bereits vornehm zurückhaltend das areal verlassen (in der hoffnung, draußen IHN nochmals "abschießen" zu können, was leider nicht gelang aber zu dem foto mit scolari führte )

"festas do povo" in Campo Maior

5.9.2004
habe ich also gestern den chat geschwänzt, weil der meine und ich beschlossen haben, uns in den alentejo zu begeben. nicht nur einer zünftigen açorda wegen. sondern weil in campo maior etwa alle viere jahre die festas de povo stattfinden: insgesamt 84 straßen und sträßchen des alten örtchens sind mit hunderttausenden von papierblüten geschmückt. natürlich findet auch eine kirmes statt und man kann herrliche leckereien aus der gegend probieren.

wir sind schon sehr früh losgefahren, weil der andrang riesig ist: um 7.30 ins auto und dann quer durch portugal bis fast an die spanische grenze bei bajadoz. dort liegt campo maior, und auf der fahrt haben wir schon x busse überholt, die auch alle dahin wollten - von x autos mal ganz abgesehen. das fest ist ein riesenereignis, es sollen sich bis zu 15 km stauschlangen am ortseingang bilden, was ich natürlich als typische übertreibung abtat. was sich aber (zwar nicht bei uns frühaufstehern, aber allen die erst so gegen mittag da ankommen) bestätigt hat....

hier ein blick auf campo maior:
der blick auf einen "straßeneingang" alle sind mit solchen oder ähnlichen blumentoren verziert. selbst das kleinste gässchen.
ein riesenschmetterling lädt zum bummeln ein
ier ein orangefarbener blumenhimmel - und im vordergrund rechts tomane:
nur ein kleines der unzähligen details:
sogar die mülltonnen samt personal sind geschmückt:
und hier die bratwurst von campo maior - musste als foto wenigstens sein:
alle vier jahr, sagt man - findet das ganze statt.
aber die haben eine website...

tomane kannte das fest zwar, wollte auch immer mal hin, hat es aber auch noch nie geschafft. und als dann vergangene woche ein bericht in den nachrichten kam....
helmut hat übrigens recht: die machen das fest nicht in regelmäßigen abständen. ich war hier am donnerstag bei einem kennenlerntreffen des deutschen vereins lissabon, dort hat man ebenfalls von diesem fest erzählt. und dass es mal alle vier jahre, mal allse fünf, mal alle drei jahre stattfindet. mit anderen worten: wir hiesigen müssen uns umschauen und dann den nächsten termin posten...

frisörbesuch

1.9.2004
hat mich doch der rappel gepackt - alle weiblichen forumsmitglieder werden es nachvollziehen können: nach ein paar tagen strand, sonne, meer und wind sehen haare einfach furchtbar aus. da nutzen auch kuren und spülungen und tücher beim sonnenbaden wenig. und nachdem ich ja nun schon einige wochen strandleben hinter mir habe (glücklicherweise), ist chicas edles blondhaar eher ein wüster ausgebleichter mopp geworden...

1. versuch: selbst färben. machen gaaanz viele leute. ist auch preiswerter als der frisör, und vor allem: frisöre sind vertrauenpersonen, zu denen frau eine ganz besondere beziehung hat und da lässt frau dann ungern irgendeinen anderen unbekannten dran... weiß man ja nie, wie man nachher aussieht....
colorationen gibt es in jedem supermarkt von all den firmen, die man bzw. frau auch aus D kennt. natürlich hab ich mich beim letzten besuch in D bei "meinem" frisör erkundigt, was ich da wohl am besten nehmen soll. ich also mit meinem liebsten in den intermarche, abteilung beleza. angebot: ziemlich groß. leider keine englischen gebrauchsanweisungen, aber in kyrillisch (bin ich russin oder was? nix da: aus bayern!). tómane steht sich die beine in den bauch und liest langsam ungeduldiger werdend und spontan übersetzend gebrauchsanleitungen vor (er hat's ja gut - braucht sowas nicht!) okay - entscheidung getroffen: hellblond, weil graue haar überdeckend. meint man(n) gelesen zu haben.
selbstversuch ergibt: weißblond. naja. so lange ich nicht wieder ins TV muss

2. versuch: samstag nachmittag in cascais, in unserer stammkneipe, la bodeguita. ich mopse mich ein wenig, weil meine portgiesisch-kenntnisse ja bekanntlich nicht so weit hinreichen, dass ich bei locker-fröhlichem geplauder in ner kneipe mithalten kann. draußen an einem tisch entdeckt mein gelangweilt durch die gegend schweifender blick vier mädels vom gegenüber befindlichen frisörsalon. die machen da gerade mittag und außerdem den eindruck, sie seien international und damit der englischen sprache mächtig.

ok. rangerobbt. sie sprechen englisch etwa so gut wie ich portugiesisch. aber nach 10 minuten gehen sie wieder zur arbeit und winken heftig ich solle doch nachkommen. was ich auch wagemutig tue - schlimmer ausschauen wie nach dem selbstversuch kann ich ja nachher beim besten willen nicht, höchstens die haare könnten mir ausfallen. aber da ich sie mir eh dauernd raufe ....

der salon gehört marco aldany, einem spanischen gaaanz berühmten haarkünstler. nie von ihm gehört, was aber sicher daran liegt, dass vogue nicht zu den zeitschriften gehört, die ich normalerweise lese in der spanischen vogue, die mir aber zum lesen angeboten wird, entdecke ich herrn aldany allerdings in voller pracht auf einem foto bei der arbeit.
der salon ist ziemlich leer so um 15 uhr samstag nachmittags, was sich aber gegen 16 uhr schlagartig ändert - da strömen die kundinnen nur so herein. ich mit händen und deuten und radebrechen mit zwei mädels und einem mestre (der etwas besser englisch sprach) geklärt, was ich will und wie ich es will. ich habe dezent auf mein ergrauendes haar hingewiesen, dass ich überdeckt wünsche. die mädels nicken verständig und fangen an. 25 minuten muss die farbe einwirken und dann das ergebnis: strahlendes, VERJÜNGENDES goldblond. schööööön. ich bin happy. verschweige allerdings meinem wartenden liebsten den preis (der in etwa das ist, was ich in D auch bezahle, aber das hab ich ihm da auch nie erzählt...)

fazit: frisör kann ich jetzt auch schon. hab auch eine kunden nummer, nämlich die schnapszahl (sic!) 111. allerdings hab ich auch deutlich gemerkt, dass mir die sprache ganz schön fehlt - so das geplaudere beim frisör, mal ein scherzwort zur nebensitzenden kundin, selbst wenn man die gar nicht kennt - das geht halt (noch) gar nicht. aber alle haben sich wahnsinnig bemüht und mit mir auch gaaaanz langsam gesprochen und manches hab ich denn doch auch verstanden. manchmal etwa als spätzünder - so à la "aha - das haben die gemeint!" ein paar minuten später. aber immerhin. kann nur besser werden.

erste portugiesisch-lektionen

18.8.2004
na warte, bis du im oktober hier aufschlägst, kann ich schon ein paar mehr worte und bin demzufolge nicht mehr völlig sprachlos...
vor allem: du bist ja auch estrangeira. kannst also vielleicht nicht SO schnell reden wie die ureinwohner hier. mit vera kann ich es nicht vergleichen, weil die ja auch eine beinahe-einheimische ist. was die redegeschwindigkeit anbelangt (mit meinem tó zusammen) auf jeden fall.

aber wir beiden estrangeiras werden es uns bei tinto und fisch fisch fisch gemüüüüütlich machen. und dabei lässig das eine oder andere wort, den einen oder anderen satz in portugiesisch von uns geben, um bei noch unwissenderen touris am nebentisch mächtig eindruck zu schinden alleine deshalb müssen wir schon in ins o solario, weil da hin und wieder (hah!) touristen speisen....

festas de vila in coruche...

18.8.2004
... was die heimatstadt meines persönlich-privaten portugiesen ist. hat sich der mann also (nicht ganz uneigennützig – versteht sich!) extra einen tag frei genommen, um mit seiner liebsten dahin zu fahren. er selber war in den vergangenen zehn jahren nicht dabei. weil: immer außerhalb von P gelebt...

nun ist es für einen portugiesisch sprechenden estrangeiro schon schwer, mit einem menschen durch die stadt (okay: das städtchen!) zu laufen, der alle fünf meter entweder einen alten schulfreund oder eine cousine oder ich weiß nicht wen trifft. insider wissen: dem gemeinen portugiesen an sich ist ein gewisses sprachtempo eigen. der gemeine portugiese dagegen, der nach 10 jahren zum ersten mal wieder die festas in "seiner" stadt mitmacht, redet wie ein schnellfeuergewehr. wenn man dann selbst nur so rum radebrecht (obwohl sich hexende chicas durchaus trauen, den mund aufzumachen), versteht man gar nix. vielleicht jedes 20. wort – was eindeutig NICHT ausreicht, um auch nur irgendwas mitzubekommen.
wenigstens ist tó’s mutter so nett, nicht nur für ein exzellentes mittagessen zu sorgen, sondern sich auch mit einfachen, langsam gesprochenen worten an ihre schwiegertochter zu wenden. puuh.

glücklicherweise trafen wir an der bar der forcados einen cousin zweiten oder dritten grades, der in münchen lebt und dieserhalben natürlich deutsch kann. den mann hab ich nicht mehr aus meiner nähe gelassen

wichtiger einschub: ich hab lange überlegt, ob ich die nächsten sätze schreiben soll. weil ich nicht erneut eine diskussion herauf beschören will. andererseits gehört das folgende – samt foto – zu meinem hiesigen leben dazu. klare ansage an alle, die es betrifft: es handelt sich hier um meine geschichten aus portugal – und ich bitte, dies zu respektieren. keinesfalls möchte ich hier erneut eine pro- und contra-diskussion ausgelöst wissen. Claro? Danke.

coruche zählt zu den orten in P, bei denen ohne stierkampf nix geht. absolut nix. und am 17. augosto jedes jahr ist hier sozusagen die creme de la creme an cavalheiros versammelt. die einzig mitwirkende gruppe forcados kommt aus coruche (selbstredend!), und dass das publikum aus experten besteht ist ja wohl klar. es war ein tolles erlebnis – und ich möchte allen, die den stierkampf genauso mögen und faszinierend finden wie ich, ein wenig die emotionen vermitteln, die ich empfunden habe.
mit einem einzigen foto

einer der beeindruckendsten abende in meinem leben

und das ist keine übertreibung!

gestern abend - 14.august - war im anfiteatro keil de amaral im rahmen von "lisboa em festa" (eintritt frei!) ein konzert von mariza - eines der beiden, die sie in diesem jahr in P gibt. das amphitheater liegt in monsanto, dem größten park lissabons. die bühne ist "durchsichtig" überdacht und dahinter/darunter liegt die stadt: ein grandioser ausblick auf die ponte de 25 abril und die christusstatue auf dem anderen tejo-ufer.
das konzert begann um 22 uhr - bei klarem nachthimmel und mit ca. 25.000 besuchern. mariza war gut eineinhalb stunden auf der bühne, ging dann runter ins publikum und sang da weiter.
der ganze abend, das konzert, DIESE stimme und die atmosphäre - es war ein erlebnmis, das wirklich zu denen gehört, die ich in diesem leben nicht missen möchte und nicht vergessen werde. 25.000 menschen sangen am ende mit, weil mariza darum gebeten hatte: "ich habe für euch gesungen, singt ihr jetzt für mich."
gänsehaut pur!
es waren nur wenige touristen da, dafür portugiesen jeden alters vom kleinkind bis zur uroma. und alle alle haben mitgesungen...

infos zu schule

ach ja - wen's interessiert:
die kosten für den unterricht.
15 stunden in der dreiergruppe mit 7,50 einmaliger einschreibegebühr und 20 euro für das buch: 141,50 euro.
die unterrichtsstunde dauert 60 minuten. das macht pro stunde 7,60 euro!

8 stunden zu zweit werden kosten ca. 100 euro.
die schule macht ab september neben dem privatunterricht auch "richtige" kurse.
hier der link:http://mitglied.lycos.de/amillenium/ mit mehr infos.

die schule ist in carcavelos und in cascais mit je einem büro bzw. unterrichtsräumen.
anne miranda ist portugiesin, es gibt auch noch eine reihe anderer portugiesischer lehrer/innen

pauken - pauken - pauken. und keine trompeten...

15.8.2004
eine woche sprachunterricht liegt hinter mir.... puh. aber ich mache weiter. da bin ich stur wie ein bayerisch zuagroaster (=zugereister) maulesel. aaaaalso:
montag morgen um 9 ging's los. pünktlich . wir waren drei schülerlein und eine lehrerin, anne miranda, die ich jedem nur empfehlen kann. portugiesin, aber lange in D gelebt und nach den ersten minuten stellt sich raus: wir drei schülerlein sind ebenfalls alle mais ou menos aus bayern. ich ja sowieso und selbstverfreilich, und die beiden anderen aus der oberpfalz bzw. aus der nähe von linz, was zwar in österreich liegt, aber sprachlich gesehen praktisch bayern ist. edith ist grundschullehrerin und für ein jahr mit ihrem mann hier und alexander macht drei wochen urlaub in P und will eine woche davon nutzen um ins portugiesische reinzuschnuppern. leider kann er einigrmaßen gut spanisch (1 jahr in mexiko und peru gearbeitet) , was uns beide mädels dazu bringt, ihn mit argusaugen zu betrachten und jegliche, aber auch jegliche spanische anwandlung bezüglich wortschatz mit dem ausruf: "angeber!" oder: "streber!" zu unterbinden. das schöne: er spricht so manches portugiesische wort so aus, dass wir ein paar schlimme wörter lernen, die feine damen eigentlich nicht kennen sollten und die ich hier im forum leider leider nicht posten kann. weil man die jugend ja nicht verderben soll...

jeden tag von 9.30 bis 12.30 unterricht. danach dann tpc - was trabalhos para casa: hausaufgaben heißt und das leben am nachmittag nicht einfacher macht.
resumee von tag 1: ich hab das gefühl, portugiesisch ist gar nicht sooo schwer. ich kenne die wochentage (ok - kannte ich schon vorher), die monate und kann rein theoretisch bis 1000 und mehr zählen. aja - und die uhrzeit.
tag 2: leider bekommen wir heute eine liste mit unrebelmäßigen verben. und anne miranda hat angefangen, fragen auf portugiesisch zu stellen, die wir leider auch so beantworten sollen. ich merke deutlich: ich bin doof.
tag 3: wir lernen kleidungsstücke sowie essen und trinken. dazu noch die liste mit den unregelmäßigen verben im imperfekt. alexander zeigt sich als schenie, während edith und chica zu der ansicht gelangen: wir sind ja nicht im druck, wir können uns ja zeit lassen. WIR müssen ja nicht in einer einzigen woche portugiesisch lernen. tpc: erzählen was wir den ganzen tag über gemacht haben.
tag 4: anne mirande geht unsere hausaufgaben durch. ich hab meine zwar allein gemacht, aber den hauseigenen portugiesen namens tomane drüber kucken lassen. was anne miranda aber nicht stört, denn sie findet 1001 fehler. ich komme zu der überzeugung: chica ist nicht nur äußerlich blond, sondern leider auch innerlich und vor allem in der nähe des hirns. so denn welches vorhanden sein sollte. wieso kann ich mir außerdem nicht merken, was 500 und 50 heißt?
tag 5: okay okay - uhrzeit kein problem, früchte und gemüse und essen und trinken (claro!) kein problem. über die verben möchte ich vornehm den mantel des schweigens decken.... dafür kenne ich zimmer und einrichtungen des hauses.
anne mirande sagt uns allerdings klar und deutlich: nach 15 stunden sind wir schon ganz schön weit (vor freude in die höhe hüpf!) . wie wir weiter machen wollen - wenn wir wollen. ich will, edith auch. also: ab nächste woche 2x2 stunden. leider auch tpc: 10 sätze mit den vermaledeiten á, para, em , ao, à und nu und na und ich hasse das leben...
aber jetzt war ja erst mal wochenende angesagt - fim da semana - und das wollte ich zusammen mit meinem schatz geniiießen.
wobei sich tó als fieser mensch entpuppt: er hat angefangen, zuhause portugiesisch zu reden...

fischfang

bei diesem himmel sind wir losgefahren...

einer der beiden größeren oktopusse.
senhor antonio, der fischerking, beim ausnehmen des rochens, damit der koch im restaurant weniger arbeit hat
und mit diesem boot waren wir draußen

oktopusse können außerhalb des wasser noch ziemlich lange überleben, deshalb werden sie gleich an bord getötet. da hat's mir dann doch ein wenig ... naja.

frühaufsteher sehen mehr...

7.8.2004
heute um 5.00: der weckton des handys quält sich in meine ohren. erst spät ins bett - und nun aufstehen? wat soll denn das?! achja - heute ist ja rausfahren mit dem fischerboot angesagt.
wir treffen uns um 5.45 am markt in cascais. der "hauptfischer" (künftig hier fischerking genannt) namens senhor antonio und sein hauptgehilfe luis treffen sich hier mit uns auf eine bica bevor wir aufs meer starten.

auf dem markt werden gemüse und früchte aufgebaut, die metzger legen das fleisch in die auslagen, blumenstände überbieten sich mit duftender blütenpracht. ein menschengewusel und geschrei - und diese gerüche... toll. sollte man viel öfter mal herkommen...

fischerking und luis fahren mit uns ans docapesca, wo wir zum erstenmal seit wir hier wohnen 1) einen parkplatz finden und 2) auch parken dürfen, weil wir nämlich hier 3) offiziell was zu tun haben. dieses erklären fischerking und luis sowie tomane einem bereits anwesenden parkaufseher.

es ist schon richtig viel los: straßenreiniger zu fuß und mit wagen sind unterwegs und machen an der promenade alles von der festa-do-mar-woche sauber, damit heute abend weiter gefeiert werden kann. ein riesenschäferhund kommt fröhlich bellend auf uns zu: er bewacht zusammen mit seinen beiden herrchen die bühne und vor allem das equipment des festa-do-mar. fischerking und luis gehen sich mit einem weiteren gehilfen umziehen. es ist noch stockdunkel, nur ein schmaler rosa streifen zeigt sich am horizont.

An der mole warten noch etliche piratenmäßig aussehende gestalten auf ihre jeweiligen fischerkings. senhor antonio tuckert mit einem boot heran: kein miniding, sondern schon was "richtiges" – mit satellitensystem, radar und allem, was ein fischerking so braucht. über eine ausgesprochen glitschige treppe ("pass bloß auf die kamera auf!") klettern wir ins boot – und dann zischen wir richtung boca do inferno ab.
Langsam wird’s heller und man kann die fischer sehen, die direkt am boca vom felsen aus angeln. von dieser seite sieht das boca do inferno relativ harmlos aus...

insgesamt sieben mal halten wir an: zuerst machen sich die vier männer (tomane darf auch – ist aber erfolglos) ans tintenfisch-angeln: mit einer viele meter langen nylonschnur und einem köder (alle angler mögen mir die nicht fachgerechten ausdrücke verzeihen ) ziehen sie immerhin acht stück an bord. Geringe ausbeute – aber von der nachtfahrt steht noch ein rieseneinmer voll da.
dann geht’s an einholen der octopusse: fünfmal und an verschiedenen standorten holen luis und sein kollege je 45-50 behälter aus dem wasser ("alcatruz"), in denen sich über nacht die octopusse einnisten. insgesamt 30 kilo holen die beiden aus dem meer. Meist mittelgroße, aber auch zwei riesendinger, die mich lebhaft an horrorgeschichten und seemannsgarn erinnern... die octopusse werden auf der rückfahrt zum hafen gleich getötet – diese schlachterei war das einzig unangenehme... muss man aber machen, weil diese tiere auch ohne wasser noch ziemlich lange leben und das eine quälerei ist, erklären senhor antonio und luis.

zweimal holen sie netze ein und erwischen dabei vor allem seezungen, ein paar sardinen und – einen rochen. und damit – sagt senhor antonio – hat sich die ausfahrt gelohnt. der bringt richtig geld, und deshalb beschließt man auch, nicht am docapesca anzulegen, sondern lieber auf der anderen seite des hafens und die fische den restaurants direkt anzubieten. Ihr könnt euch sicher vorstellen, warum...
kurz vor dem anlegen nimmt fischerking noch den rochen aus – damit der koch in im restaurant weniger arbeit hat. seine gäste können sich freuen – so eine delikatesse kriegt man nicht jeden tag.
wir sind insgesamt so 4 stunden auf dem meer – und danach haben die jungs feierabend und treffen sich danach erst mal in der kneipe: in der bodeguita sitzen sie dann zusammen – gerne auch bis nachmittags
ich muss sagen: es ist ein knochenjob. nicht (mehr) für den alten senhor antonio – der ist über 70 steht "nur" noch am steuer. aber luis und sein kollege müssen richtig schuften – und das eben nicht nur bei sonnenschein und ruhiger see wie heute morgen, sondern tagaus tagein auch bei wind und wetter.
andererseits: heute war ein schlechter tag – wie oft im sommer, denn "auch die fische machen jetzt ferien!" grinst senhor antonio. an guten tagen holen sie fisch für 4000 euro aus dem meer – heute waren’s nur etwa 10 prozent davon.
wir sind übrigens beide klitschnass geworden und haben so richtig nach fisch gestunken – denn fischen ist beileibe keine "saubere" arbeit.... aber es war ein erlebnis für uns beide. Und ich hoffe für euch auch, wenn ihr’s hier nachlesen könnt.
hier seht ihr die gefäße ("alcatruz") in denen sich die oktopusse verkriechen und in denen sie dann nach oben gezogen werden.